Der Flughafen Schönefeld muss schon arg in der Defensive sein. Offensichtlich missfiel die – auch von diesem Magazin publik gemachte – Politik der Aussperrung für kleine Geschäfts- und Privatflugzeuge auch einigen Verantwortlichen in der Berliner Stadtpolitik.
Jedenfalls setzte der Flughafen nun zum pressetechnischen Gegenschlag an und förderte im Berliner Tagesspiegel einen bemerkenswerten Artikel zutage, in dem nicht nur mit markigen Worten („Hobbypiloten haben auf einem modernen Verkehrsflughafen aber generell nichts zu suchen“) das deutsche Luftverkehrsgesetz umgeschrieben wird, nein, der aviatisch bewanderte Leser erfährt von Pressesprecher Ralf Kunkel auch Erstaunliches zum Thema Seitenwindlandung!
Wir wollen uns hier mit dem Artikel selbst nicht länger befassen als unbedingt nötig. Es handelt sich um eine Gefälligkeit gegenüber dem Flughafen, in dem Aussagen und selbst die Terminologie des FBS-Pressesprechers Ralf Kunkel ungeprüft abgedruckt werden. So was gehört normalerweise in die Anzeigenabteilung, nicht aber in die Redaktion einer Zeitung.
Depperte „Hobbypiloten“ mit „Pannenmaschinen“ würden da den Weg für schöne neue Linienjets versperren. So lässt sich der Artikel mit einem Satz zusammenfassen.
Leider hat sich der Tagesspiegel noch nicht einmal die Mühe gemacht zu prüfen, welchen Anteil am Verkehrsaufkommen die von Kunkel als „Hobbypiloten“ beschimpften Geschäfts- und Privatflüge eigentlich haben.
Man hat in der Redaktion auch nicht das offensichtliche getan und gefragt, wie die 30-minütige Sperrung einer Piste überhaupt zu Verspätungen und Umleitungen im Linienverkehr führen kann. Denn offensichtlich kommen mehr als 12.000 andere Verkehrsflughäfen in aller Welt ja ganz gut mit der Invasion der „Lufttrottel“ klar. Antwort: Da man in Berlin mit der Schliessung der Verkehrsanlage Tempelhof noch nicht einmal warten konnte bis der Bau der zweiten Piste in EDDB abgeschlossen war, muss man in Schönefeld nun – einmalig unter den großen internationalen Flughäfen –, mit nur einer Piste auskommen. Ein Witz im Vergleich der Flughäfen, man könnte auch sagen ein „Hobby-Airport“ …
Man erwähnt zwar kurz den Flugplatz Schönhagen, stellt die Situation aber so da, als ob die „Hobbyflieger“ nur aus Sturheit oder Wichtigtuerei in EDDB landen würden. Dabei verschweigt der Tagesspiegel die Tatsache, dass Schönhagen mangels IFR-Verfahren noch gar nicht über die Voraussetzungen verfügt um termingerechten Geschäftsreiseverkehr aufnehmen zu können.
Wer herausfinden möchte für welches Publikum derart unvollständig recherchierte Berichte gedacht sind, der wird in den Leserkommentaren fündig:„damit Kleinflugzeuge wieder in Neuköllner Hinterhöfe krachen können, wenn verpeilte und halbbesoffene Hobbypiloten mit ihren fliegenden Rasenmähern kommen. Gabs ja alles schon“Prima, so geht’s voran in Berlin!
Ralf Kunkel und die Seitenwindlandung
Wirklich unterhaltsam wird der Bericht jedoch, da Ralf Kunkel, nachdem er sich so despektierlich über die Hobbypiloten geäußert hat, offenbar nicht widerstehen kann dem oder der staunenden Tagesspiegel-Journalist(in) auch noch etwas Piloten-Talk mitzugeben.
Grund für die vielen Pannen seien die Seitenwindlandungen. Wir wissen zwar nicht aus welchen BfU-Berichten Kunkel hier zitiert, oder ob er in Funktion des Pressesprechers auch gleich noch die Unfalluntersuchung miterledigt, er impliziert aber, dass die Hobbypiloten damit nicht klar kämen und gibt auch gleich noch Tipps:
Die Piloten müssten dann eine so genannte Schiebelandung machen, bei der sie ihre Maschine schräg auf der Landebahn aufsetzten und dann sofort in die Geradeaus-Position bringen müssen. Dabei werden besonders die Reifen beansprucht, die dann auch platzen können. Weil eine solche verunglückte Maschine dann die Landebahn blockiert, muss diese gesperrt werden.

Typische ein- und zweimotorige Motorflugzeuge werden bei Seitenwind mit Längsneigung (Bank-Angle) an den Boden geflogen. Der zur Seite abgezweigte Teil der Auftriebskomponente gleicht dabei die Versetzung durch den Wind aus. Das Luv-Rad des Hauptfahrwerks setzt zuerst auf, dann zweite Hauptrad, dann das Bugrad. |
Dummerweise beschreibt Ralf Kunkel damit dass exakt falsche Verfahren für eine Seitenwindlandung in einem typischen GA-Flugzeug! Was Kunkel da beschreibt, ist ein zulässiges Verfahren für Segelflugzeuge und (teilweise) große Airliner – nicht aber für Cessna, Beech, Piper oder Cirrus!
Typische ein- und zweimotorige Motorflugzeuge werden bei Seitenwind mit Neigung um die Längsachse (Querneigung oder Bank-Angle) an den Boden geflogen. Der zur Seite abgezweigte Teil der Auftriebskomponente gleicht dabei die Versetzung durch den Wind aus. Das Luv-Rad des Hauptfahrwerks setzt zuerst auf, dann zweite Hauptrad, dann das Bugrad.
Vielleicht findet Herr Kunkel ja in Schönefeld noch einen Privat- oder Berufspiloten, der sich von Verunglimpfung, Preisen und Kundenbeschimpfung noch nicht hat abschrecken lassen und ihm das alles nochmals in Ruhe erklären kann.
Ein Bild von Fliegerlegende Bob-Hoover, das diese Technik verdeutlicht, haben wir schonmal angehängt (Schnurrbart ist optional) …